Zwei Knaben gingen durch das Korn,

                    Der andere blies das Klappenhorn,

                    Er konnt' es zwar nicht ordentlich blasen,

                    Doch blies er's wenigstens einigermaßen.

 

                                   (Friedrich Daniel, Göttingen - 1878)

 

 

Dëst Gedicht aus der humoristescher Zäitschrëft „Fliegende Blätter“ vu München wor vum Auteur zwar duerchaus eescht gemengt (Titel: Idylle), mä d’Lieser hu virun allem en onfräiwëlleg dréchenen Humor an deem Véierzeiler erkannt.

Vun do u goufen ëmmer méi där „Klapphornversen“ (Klappenhorn: aalt Blechblosinstrument)

publizéiert an a ville Variété- a KabaräProgramme virgedroen.

Nach Jorzéngten duerno hunn eng ganz Rei vu prominenten Auteuren an Dichter wéi z.B. de Christian Morgenstern oder de Karl Valentin an där Form geschriwwen an d’Theme woren a sinn einfach-populär an heiansdo defteg.

Ganz oft féiert d’Zesummespill resp. d’Géigespill vun deem „engem an deem aneren“  zu där typesch skuriler a grotesker Komik.

 

 

 

DER EINE, DER ANDERE

 

 

Zwei Damen sangen ohne Ruh’,

Doch fehlte mal ein Lied dazu,

Dann haben sie halt nicht gesungen,

Und das hat auch ganz schön geklungen.

 

*

 

Zwei Männer gingen durch ’nen Ort,

Den einen sah man nicht sofort,

Sein Bierbauch war der Übeltäter:

Der kam zuerst - der Mann kam später.

 

*

 

Zwei Kugeln retteten zwei Leben:

Die erste, die ging voll daneben,

Die zweite doch traf sooo brillant -

Nur schade, dass hier keiner stand.

 

*

 

Zwei hanswurstige Metzger machten

Auch Hanswurst mal beim Schweineschlachten.

Der eine rief: Hier, fang das Beil!

Der andre ist heut’ wieder heil.

 

*

 

Zwei Zähne waren live dabei

Bei einer Massenschlägerei,

Der eine braucht jetzt eine Krücke,

Der andre nicht, denn da ist Lücke.

 

*

 

Zwei trieben ihren Schabernack

Ausschließlich nur im Dopppelpack,

Drum loste man vor jedem Beichten

Für wen die schweren, wen die leichten.

 

*

 

Zwei Löcher war’n zu einem stolzen

Ja, noch viel größerem verschmolzen,

Doch war in jedem angesichts

Des andren jetzt noch mehr an Nichts.

 

*

 

Zwei Kerle sangen um die Wett’

Nachts auf dem Heimweg im Duett

Du guter Mond ... O sole Mio ...

So falsch, als wäre es ein Trio.

 

*

 

Zwei Hauspantoffeln stets bereit

Zur ehelichen Zweisamkeit:

In einem geht die Frau putzmunter,

Beim andern steht der Mann darunter.

 

*

 

Da plauschten mal zwei Büstenhalter,

Ein smaller und ein „Mein-Gott-Walter!!!“

Und dieser meinte: Kein Malör,

Denn dem Voyör ist nichts zu schwör ...

 

*

 

Zwei Knaben debattieren heiter:

Wer pinkelt weit und wer noch weiter?

Der eine, der schafft Sensation,

Der andre nicht – der hatte schon ...

 

*

 

Zwei Uhren haben über Nacht

Ein Rennen um die Zeit gemacht -

Die eine tickte etwas schneller,

So wurde ihr es früher heller.

 

*

 

Zwei  Mädchen war’n wo dekolletiert

Verschiedenartig tätowiert,

So konnte man dann auch die beiden

Beim ersten Blick schon unterscheiden

 

*

 

Zwei Kabel-Enden, Minus, Plus,

Umarmten sich für einen Kuss,

Das eine sprach: Mich stört das Licht sehr.

Das andre: Warte nur, gleich nicht mehr!

 

*

 

Zwei Damen gingen irgendwo

Und irgendwann einmal aufs Klo,

Sie tratschten, klatschten und so wussten

Sie schließlich nicht mehr, was sie mussten.

 

*

 

Zwei Herr’n betranken sich frustriert,

Weil Alter stets an Kopf verliert,

Tagsdrauf sprach einer: Oje doch!

Ich habe meinen immer noch!

 

*

 

Zwei Köpfe wissen so vom Sagen,

Dass sich Gedanken übertragen ;

Denkt einer:  Das heißt Tele--- .... wie?

Dann gleich der andere: ---pathie.

 

*

 

Zwei Teenie-Mädchen mal in Malle,

Die eine, andre, so wie alle:

Verbrauch von Sonnenöl nur spärlich,

Denn Mond in Spanien nicht gefährlich.

 

*

 

Zwei rechte Schuhe zetern, fluchen,

Weil sie nach ihren linken suchen.

Doch plötzlich einer: Dumm von mir!

Ich lieg’ ja unten oben hier ...

 

*

 

Zwei Kerle drehen stolz im Suff

Noch eine Runde durch den Puff,

Der Meyer schafft’s nur bis zum Prahlen,

Der Schulz hingegen bis zum Zahlen.

 

*

 

Es streiten zwei der Zehn Gebote

Sich wegen ihrer Einschaltquote:

Das 6. gibt nicht so viel her,

Das 8. demnach um so mehr.

 

*

 

Ein dufter Ausschnitt-Tattoo hat

Die Blicke und die Sprüche satt

Ein anderes, ein Arschgeweih,

Dem geht das einfach da vorbei.

 

*

 

Zwei Geistesblitze blitzten auf,

Der eine hatte nicht viel drauf,

Der and’re war auch nicht gescheiter –

So ging’s dann ohne beide weiter ...

 

*

 

Zwei Exhibitionisten gaben

Der Welt mal Einblick, was sie haben,

Doch laut Statistik dieser Sitten

Lohnt der sich nur bei jedem Dritten.

 

*

 

Zwei stritten nach ’ner Rauferei,

Wer nun finaler Sieger sei -

Der eine hat’s gerecht behoben:

„Mal lag ich unten, mal er oben.“

 

*

 

Zwei Frauen weinen vor dem Sarg,

Die junge Flotte ziemlich stark,

Die andre beugt sich zu ihr nieder:

„Ach, komm, ich heirate ja wieder.“

 

*

 

Zwei Zahnprothesen schwammen stumm

In ihrem Nachttischglas herum

Und jede dachte: Ja, so isses,

Das „all-inclusive“ des Gebisses!

 

*

 

Ein Fragezeichen fragte sich:

Warum, zum Teufel, gibt es mich?

Somit war auch ein zweites da

Und sprach zu ihm: Jetzt weißt du’s ja!

 

*

 

Zwei Hündinnen beschnüffeln sich

Voll rundherum, ganz inniglich,

Die eine nimmt es gar nicht prüde,

Die andre nämlich ist ein Rüde

 

*

 

Dann zwei Gerüchte in der Patsche ...

Das erste war rotzfrech’ Geklatsche,

Das zweite dementierte man –

Hier war wohl etwas Wahres dran.

 

*

 

Zwei Bäcker, links, rechts, vis-à-vis,

Die trumpfen mit Publicity -

Der eine riecht das große Geld:

DIE BESTEN BRÖTCHEN AUF DER WELT !

Der andre wirbt in kleinrem Maße:

Die besten Brötchen dieser Straße!

 

(2015 - 2018)