ORCHESTRIERTES

 

von taktstrich zu taktstrich

   umzwirbelt die harfe

den legato-schwung der violinen /

   tupft und tüpfelt das triangel

zwischen pausenbalken

   so leichtfüßig verschmitzt /

zupft und züpfelt der kontrabass

   mit vierteln und achteln

an dem mezzoforte-scherzando

   von flöte und oboe d’amore

 

unter weitem ligaturen-bogen

   beschwichtigt das cello

so großväterlich gemachsam

   das quirlige der klarinetten /

zersplittern posaunen

   mit akzent, staccato und ff  

des fagottes profunde töne /

   zerfetzen trompeten

in triolen knallend

   das paukengrollen-crescendo

 

und die partitur, sie denkt:

   na echt spitze,

meine abstrakte kunst!

 

 

DIE VON UNTEN, DIE VON OBEN

 

Zweig und Strauch

Senken ihr Blattwerk

    Bebürdet

Zum Abtröpfeln

 

Der Regenbogen

Erachtet es

    Bewürdet

Als Reverenz

 

 

REALITY-SHOW

 

da trage sich herum

  so vernimmt man daher

es wäre gerüchtelt worden

  vom daher-sagen gehört zu haben

dass es längst alle sagen würden -

 

und die realität, sie steht abseits

  de facto

  vor vollendeten tatsachen

und spielt verdutzt & verblüfft

   im playback ...

     

 

DER WEG, DER NICHTS BEREUT

(Edith Piaf / Frank Sinatra)

 

NON, RIEN DE RIEN

NON, JE NE REGRETTE RIEN

in verwichenen Liebeleien gestrauchelt,

schiffbrüchig

in einstigen Eskapaden –

nein, nichts zu hobeln an meinem Holz,

nichts zu schmirgeln,

ob zerschrunden oder knotig

 

Und ist auch kein Pfeil mehr im Köcher,

kein Ass mehr im Ärmel,

nicht mal eine gezinkte Karte -

non, je ne regrette rien,

denn das Leben als Leben

hat es wahrlich nicht versäumt zu leben

AND MORE, 

MUCH MORE THAN THIS:

I DID IT MY WAY

 

 

PAS DE DEUX

 

Ein kleiner Schritt für den Menschen,

 Vernahm man einst aus dem All -

Und so schreite du zum Geplauder

Mit dem fremdelnden Unbekannten

In der Bierkneipe

Auf der Hundepromenade

Ja beim Warten auf Godot -

Und es wird für die Menschheit

Nochmalig und wiederum

Einer dieser großen ...

 

 

RIEN NE VA PLUS !

 

Alea iacta est

Aus dem Becher

Überschlagen sich Würfel

Ein purzelbäumelndes Springen

Rollen Kullern Rollen

Aber nicht immer

Triumphiert die Sechs

 

Spielkarten werden gemischt

Geriffelt

Abgehoben

Ausgeteilt

Pik-3 Herz-Dame

Kreuz-König Karo-7

Aber nur einer

Hält den Joker in der Hand

 

 

DER EWIGE STREIFEN PULVERDAMPF

 

In „Winnetou-1“-Film (1963) wird die mythenhafte Nscho-tschi, Winnetous schöne Schwester, vom Schuft Fred. Santer erschossen.

(„Kaum ein Filmtod hat einen so nachhaltigen Eindruck hinterlassen.“ / FOCUS - 9.12.2013)

     

       Nscho-tschi

       Flüstern es die Felsen des Rio Pecos

       Noch heute

      Und als Echo

      Nur hämisches Gelache

      Deiner Desperados

      Beim Feuerwasser im Saloon

 

       Nscho-tschi

       Schöner Tag

       Hören es die Mescalero-Apatschen

       Noch jeden Abend

     Und wieder zieht knallend

     Dieser letzte Streifen Pulverdampf

     Über das Pueblo

 

       Ach, Schurke, du fieser,

       Für das hinterhältige Dahinmeucheln

       Von Legenden

       Von Illusionen

       Ist keine Verjährung in Sicht

       Soweit des Apatschen Auge reicht

 

 

DIE SIGNATUR DES AUGENBLICKES

 

Es glitscht dir aus den Fingern,

dieses momentane Jetzt,

das einzige Konkrete der Zeit -

dieser Zeit,

die uns wohl stattlich & voluminös,

doch immer nur im Offline umspannt.

 

Ja, man übersieht es gar so ahnungslos,

dieses soebene Justament,

geringschätzig als Flittertand des Déjà-vu -

doch genau jetzt,

genau jetzt in diesem Augenblick,

schlägt er zu,

der Augenblick,

und irgendwo im Online

beginnt für irgendwen

eine neue Zeitrechnung ...

 

D'Buch

 

"HÄPPI LËTZEBUERG"

 

(2009)

 

 

Satiresch Lidder

a 

Gedichter