MIDLIFE-CRISIS

 

schon in der halbzeit-pause

die verlängerung

spielen,

denn

 

die zweite hälfte

wird

auch nicht besser

und

 

war beim schluss-abpfiff

vielleicht

nur ein drittel

 

 

POTEMKINSCHE DÖRFER

 

Aus der Fassade

Schmäht

        blasierte Süffisanz,

Blitzt

       zynischer Sarkasmus,

Knüppelt es

       großkotzig

       das Ringsherum nieder 

          

Doch frag das Fenster zum Hinterhof  -

Hier

Errötet die Unsicherheit,

      genierlich 

      verklemmt,

Hier

Katzbuckelt alles Selbswertige,

      zerschüchtert

      gehemmt,

Hier

Kriecht man auf dem Boden,

Und frisst Staub alle Tage seines Lebens

 

 

WENN FÜNFE GERADE SIND

 

Wieso und warum

Sprang da einen Oberschlauen

Der absurde Geistesblitz an,

Den Perfektionismus zu erfinden,

Diese 120-prozentige Akribie,

Haben wir doch schon

Das circa Ungefähre,

      Das halbwegs So-lala,

            Das „Ach,-sieh-das-nicht-so-eng“

Zur vollsten Perfektion im Griff!

 

 

DIE STADT IM MORGENTAU

 

Nachtleben

entlüftet sich

über den Dächern

 

Aus der U-Bahn

quillt

der neue Tag

 

Straßenfeger

Tauben

und Frühnachrichten

als Eskorte

 

 

VOLLSTRECKT IST VOLLSTRECKT

 

„Es ist leichter, ein Atom zu zertrümmern als ein Vorurteil!“

 (Albert Einstein)

 

nicht

den kopf in der schlinge,

nicht

die garrotte am hals -

indessen

vor der zweiten

schon die erste chance

     ab.ge.hakt

     ab // ge // hackt

 

stählern und unwiderruflich,

das verdikt -

ohne „mit verlaub, euer ehren“,

die exekution

 

und die henker

stehen

schlange

 

 

SEITENVERKEHRT

 

Dort,

Dort, wo die Welt

Die Welt mit Brettern vernagelt ist,

      (laut Snob antiquiert & gottverlassen)

      (nach Fatzke eremitisch & abgelebt)

Dort,

Ja, dort erkunde man

Erkunde man, von welcher Seite

Die ominösen Nägel eingenagelt sind ...

 

 

KARIKATUREN UND CARTOONS

 

Nur diese paar Striche

Die sich verheddern,

So blauäugig

Und doch so augenzwinkernd

 

Nur diese paar Striche

Die sich verschwören,

Im Flüsterton denken

Und doch kesse Lippe wagen

 

Nur diese paar Striche

Die sich verplappern

Und doch schweigsam und stumm

-

Auch „Ohne Worte“

Wäre als Kommentar noch zuviel

 

 

JE ENGER DIE GASSEN ….

(... desto breiter die Dorfamnesie)

 

Idyllen erlebten -- Idyllen

sind Zeugen -- Idyllen

gaben ihr Ehrenwort

 

Idyllen, sie schweigen -- Idyllen,

sie blenden -- Idyllen

scharren Vergangenheiten zu

 


BIBLIOPHILES


es protzt wohl und prunkt

in leinen gebunden,

sein hochglanz,

er prahlt,

doch riecht ewig nach papier

 

da schämt sich das schlichte

seiner eselsohren gern,

die blätter

schon heiser

vom vielen erzählen


 

SCHLUSSBILANZ

 

bevor der tod zum mörder wird

grobschlächtig

oder

sensitiv

gebe ich mein leben noch einmal

frei zur obduktion

inspizieren

sezieren

woran es gelebt hat

und

wenn

überhaupt

ob bis in schwarzen zahlen

um anderentags

nicht

unentschuldigt

zu

fehlen

so nur als flau

stumpfsinniges „i-was-here“-graffito

 


PANORAMA VON ÜBERALL

 

so etliches vom vielen

geht

so manchen von allen

über den horizont –

 

doch haben diese von dort aus

eine andere sicht

auf das meiste vom ganzen

 

 

HINTER DER DISTANZ

 

Überhastetes

     Hat sich erschöpft

Überstürztes

     Hechelt nach Luft

 

Auch im Wildesten Westen

Fließt

Der Rio Pecos bedächtiger

Und Gary Cooper

Schießt

Nicht mehr aus der Hüfte

 

 

SHOWDOWN DER EGOS

 

Ihr Schachbrett

Ist kein Rangiergleis alter Dampfloks

Kein simples Gedrängel

An der Pommesbude

-

Hier prunkt ein Götzentempel

Mit den vielen fremden neben mir

Die sich alle lobsingen

Sich alle hochpreisen

Die eigenen Monstranzen

Mit Weihrauch beräuchern

Umhüllen umnachten

    Bis hin zum Kurzschluss

    Ihrer Aureolen

    -

    Und der Altar

    Liegt im Dunkeln

 

D'Buch

 

"HÄPPI LËTZEBUERG"

 

(2009)

 

 

Satiresch Lidder

a 

Gedichter