BARE MÜNZE

 

Die volle Wahrheit

Und nichts als die Wahrheit

Zage aufgetischt

Dubios obskur serviert

So verschwörerisch kredenzt 

      Unentwegt in einem fort

 

Und die Lüge

Promoviert zur Währung

Ohne jemals gelogen worden zu sein

 

 

 

INFLATIONÄRES

 

Nackt!

Pudelnackt!

Splitterpudelnackt!

 

... man verscherbelt

das Aphrodisische der Venus

auf dem Trödel ...

 

Kein Spitzen-Babydoll keine

Grobnetz-Corsage kein

Stringbody ouvert - nur

einfach n.a.c.k.t

 

Blick,

Wo sollst du denn jetzt noch hin?

 

 

LAMPENFIEBER

 

Der Vorhang

Wallt noch

Vom Schlussapplaus

 

Überschwang

Hallt noch

Im Dekor

 

Und die Maske, wie jeden Abend :

Abgezäumt

Abgeschminkt

LAMPENFIEBER !

Dieses packend Beklemmende

Vor dem Danach

Vor der hohlen Leere -

 

Denn warst du verhimmelte Bühne,

Warst du vergötterte Kunst,

Ab dem Hinterausgang

Verhauchst du

Zum irdisch Irdischen

Verrauchst du

Zur eigenen Requisite

 

LAMPENFIEBER ...

 

Und der Souffleur

Ist schon längst

Zu Hause

 

 

SCHÖNES

 

DAS Schöne

Sein Neutrum ist zweckmäßig

Kunstwerke sind sowohl als auch

Oder weder noch

 

Schönheit aber,

DIE Schönheit

Hat ihr Femininum

Exklusiv

Unwiderlegbar rechtens

 

 

FEUER, WASSER, LUFT UND ERDE

 

Cholerischer Jähzorn

Speien die Salamander,

Die Geister der Flammen,

In Zerstörungswut

 

Und drüben die Verzweifelten,

Die jungfräulichen Undinen,

Ihren Schwermut wiegend

Auf den Wogen und Wellen der Melancholie

 

Doch lebhaft quirlen die Sylphen

Durch die Lüfte des Leichtsinns,

Schwallend wie ihr beschwingtes Blut

Hin zu den Gnomen,

Den dadrinnen im Berge verschlossenen,

So still und phlegmatisch

In friedvoller Harmonie

 

Vier Elemente

Vier Temperamente -

Lebenssäfte des Seins

 

 

DORT UND DANN

 

Realität entsteht

Wo und wenn

Zufall auf Zufall stößt

Als Laune

Des Augenblickes

 

Realität vergeht

Wo und wenn

Erleben sich vom Erlebten löst

Nach Willkür

Des Zeitpunktes

 

 

DIE FÄHRTE DER WAHRHEIT

 

Hat sie sich in das Unleserliche

Zwischen den Zeilen

Verstohlen

Oder in das Verstummte

Zwischen Richtertisch und Anklagebank

Verstockt?

 

Schreit sie aus lauthalsen Argumenten

Oder dümpelt sie nur

In diesem einen unsicheren Blick,

Wabert

In diesem einen verkrampften Atemzug?

 

Mit Hufschlag, nein, verrät sie sich nicht,

Hasst den Knüller nur des Knallers wegen,

Auch nicht von jeglicher Halbwertzeit

Als Stripperin entblättert.

 

Doch damit sie ans Licht kommt,

Verstecke sie sich im Dunkeln,

Denn nur in dunkeln Randnotizen

Wird gewittert

Gescharrt

Durchforstet durchkramt.

 

 

WIENER BLUT

 

Geigen hauchen beschwingt

Krinolinen an

 

Im Drei-Viertel-Takt

Wogt es und wallt es

Das Wiener Blut -

 

So innig

So mit Grandezza

Dennoch so leichtfüßig-verschmitzt

Fast schon wieder frivol



(Johannes Brahms: „Dieser Strauß trieft von Musik“)

 

 

SYMBIOSE

 

Filz überall überall Filz

Ineinander verklüngelt

verklettet

verknäuelt

 

Das Seiende wird haben

Das Habende wird sein

So gerinnt es, das Eintöpfeln

gerinnt

verdickt

verkrustet

 

Ich warte

Auf einen neuen Urknall

Als erlösendes Reset

 

 

EWIGE ÄPFEL

 

seit jeher ragen sie hervor,

immer und

 

überall, die morschen senilen

äste des baumes

 

der versuchung, auch heute

noch nicht als

 

obsolet entzaubert,

als anachronistisch gefällt -

 

reift doch an den

pubertierenden zweigen immer

 

wieder eine neue frucht,

so pfiffig verlockend, aus

 

den blüten der fänge ihrer

eigenen zeit

 

 

RUFMÖRDERISCH

 

„Durch diese hohle Gasse muss er kommen,

Es führt kein andrer Weg nach --- “ 

 

Und Meute & Kopfgeld schießen sich

Schießen sich sturmfrei

Sturmfrei zur Lynchjustiz

Zur Hexenjagd, zum Shitstorm

Zur Hatz und als Sau durchs Dorf getrieben

 

Aber kein Mord

Kein Mord ist nie tödlich genug –

Bedarf es ihm zum Hochkarat

Noch seines charmierenden

Charmes.

Der

Häme

des

Schlagringes.

Des nackten

Hasses

der Keule.

Dieser

ach so

geifernden

Genugtuung

des

letzten Messerstiches.

 

 

    *  „Durch diese hohle Gasse muss er kommen.

Es führt kein andrer Weg nach Küssnacht“

(Fr. Schiller „Wilhelm Tell“ / IV-3)

 

 

DES FEHLGRIFFES BUßGELD

 

Sich

Asche

Übers

Haupt

Streuen

Ist wahrlich

Noch kein Gesichtsverlust

 

 

GESPÜR NACH MEHR

 

NACHRUF und GRABINSCHRIFT

Sind nicht der Triebkraft

Nicht der Messlatte genug

 

Es gerinnt zu schnell

Das Nur-Nach-Außen

 

Br.öck.elt. ab

 

Z.erk.rümm.el.t

 

Verweht auf der Öde

Verwässert im Seichten

 

Der Olymp

Liegt

Etwas höher

 

D'Buch

 

"HÄPPI LËTZEBUERG"

 

(2009)

 

 

Satiresch Lidder

a 

Gedichter