APOKALYPSE

 

Am Horizont

Begrapschen die Meereswellen

Lüstern

Die Abendsonne

Zum Vorspiel

Der Nacht

 

Eine Sandburg

Trotzt ritterlich

Der weißen Gischt,

Doch zerrinnt auch sie

Irgendwie

Zwischen Algen und Muscheln

Im Nichts

Und im Nie

 

  

SYMMETRIE

 

Galaxien

Universum

Unendlichkeit -

Kopernikus und Einstein

Mixen Cocktails

Auf der Orgie ihrer Dimensionen

 

Doch auch nach innen

Ein wucherndes Verästeln

Von innersten Sinnen

Und Sigmund Freud

Schürt den Sickerbrand

In den Gruften und Engen

Des Unterbewusstseins

 

 

DER MANN AM FENSTER

 

Reglos

Das Gesicht

Hinter Fuchsia und Petunia

Den Blick

Starr und stumm

Ins Unergründliche

 

Wartet am Morgen

        Auf den Mittag

             Wartet am Mittag

                   Auf den Abend

                         Am Abend

                   Auf die Nacht

             Denn in der Nacht

        Wartet der neue Tag

Wieder auf ihn

 

Unergründlich

Starr und stumm

Mit Fuchsia und Petunia

 

 

MOMENTAUFNAHMEN

 

Ob ein Château Lagrange Pomerol

Unter der Pergola

 

Ein kumpelhaftes Schulterklopfen

Im Vorbeigehen

 

Oder auch die Frustration

Der ewig falschen Streichholzschachtel

Beim Hütchenspieler

 

Ein verankertes Urrecht

Eines jeden Augenblickes

Bewusst erlebt zu werden

Bewusst und vorsätzlich

Damit er nicht

Als Rindenmulch

Verscherbelt wird

 

 

SCHRITTE DURCH DIE BIOGRAPHIE

 

Müde

Schleppen sie sich dahin

Die Pfützen

Und verblenden zitternd

Straßenlaternen

Neonreklamen

Mond

 

Einer

Biegt in die Gasse ein

Einer

Allein

Allein mit seinen Gedanken

Und raucht den Tag

Als letzte Zigarette

 

 

ZEITLUPE

 

Und ewig schlurfen die Gassen

Besonnen und holprig

Um verwitterte Giebel

 

Und ewig dörferln die Dörfler

In den Stapfen

Des Altbackenen

 

Aus der Schwüle

Klettert

Ein Kirchturm

Über moosbedeckte Dächer -

Die Zeiger seiner Turmuhr

Sind eingerostet

Seit langem

Seit immer

Seit irgendeinmal

Zwanzig nach fünf 

 

 

GEORGE ORWELL 2013

 

In Busch und Gestrüpp

Saßen sie einst,

Jeden Stammes Späher

Und hofften,

Dass die Nebelschwaden verschwinden

 

Im Soge der Zeit

Zieht es nunmehr die Fischer

Weitab hinter die Bojen

Ihre Datennetze auszuwerfen

Engstmaschig

Auf rauer See

 

So sattelt man schon Skepsis und Verdacht

An dem Edlen der Empathie

Entzaubert

Dieses einfühlende Mitfühlen

Verraten und geschändet

 

 

LANGE SCHATTEN

 

… und Großmäuligkeit

Arroganz

Klugscheißerei

Heben

Vor narzisstischen Blähungen

Fast ab –

 

Aber blicke rückwärts

Nach Westen

Da steht die Sonne

Schon wieder

Tief

 

 

ETIKETTENSCHWINDEL

 

Banale Banalitäten,

Und sprudeln sie sogar

Aus teurem Sekt,

Bleiben trotzdem

Banale Banalitäten

 

Floskeln von der Stange,

Auch mit Lipliner-Lächeln

Und Dreitagebart-Charmieren,

Immer nur

Floskeln von der Stange

 

So versmalltalkt man sich

Aneinander vorbei

Und aalglatt hindurch

 

 

GRETCHENFRAGE

 

Sag mir, war der Urknall

Nur Zufall

Oder war der Urknall

Doch Einfall?

 

Auf jeden Fall

Ein Knall wie kein anderer

 

 

DER FLUCH DES DICHTERS

 

In Wörtern

Sollst du gefangen sein

Und kreisen in ihnen

Alle Tage deines Lebens

Dich quälen

Durch Dornen und Disteln

Ihrer Synapsen

Wo Wirklichkeiten sich verweben

Mit gewagten Sprüngen

Immerzu neue Gehalte

Sich entblättern tun

 

Wo Zauberlehrlinge seufzen:

Die ich rief, die Wörter

Die werd ich nicht mehr los

 

 

ZUNGENSCHLÄGE

 

Lose Zungen

Flinke Zungen

Scharfe Zungen

Doppelte Zungen

Sind nur das mindere Übel

Aller Zungenakrobatik

Gibt es doch

Gegen das Gift

Der giftigen Zungen

Kein Gegengift

Es sei denn

Ein Biss

In sich selbst

 

D'Buch

 

"HÄPPI LËTZEBUERG"

 

(2009)

 

 

Satiresch Lidder

a 

Gedichter